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Casinos wehren sich gegen gelockerte Poker-Verordnungen

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Im Dezember des vergangenen Jahres hat die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) ihre Verordnungen bezüglich Pokerturnieren gelockert: Unter gewissen Bedingungen können diese nun auch ausserhalb der Casinos durchgeführt werden. Das Casino Interlaken und der Schweizer Casinoverband sind damit ganz und gar nicht einverstanden.

«Wir haben uns darauf geeinigt, dass nur der Casinoverband Auskunft zur Entscheidung des Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) gibt», erklärt Oliver Grimm, CEO des Casinos Interlaken leicht gereizt. Die ESBK hat im Dezember 2007 entschieden, dass Pokerturniere um Geld in gewissen Spielformen auch ausserhalb der Casinos legal gespielt werden können, sofern keine kantonalen Bestimmungen dem im Wege stehen. Dagegen hat der Schweizer Casinoverband nun Beschwerde eingereicht. Solange das Verfahren noch hängig sei, so Grimm, gebe er keine genaueren Auskünfte. Der CEO konnte jedoch bestätigen, dass man im Casino Interlaken die Auswirkungen der Liberalisierung zu spüren bekomme: «Während unsere Pokerturniere früher sehr schnell ausgebucht waren, haben wir heute zum Teil Mühe, die Turniere zu füllen.» Und weiter: «Die Spielerzahlen nehmen ab.» Sorgen macht Oliver Grimm auch die Tatsache, dass dieser Tage in Thun ein reines Pokercasino seine Tore öffnete.

Beschwerde des Casinoverbandes

Der Casinoverband hat zwei konkrete Gründe, weshalb er gegen den Entscheid der Spielbankenkommission Beschwerde einreicht, wie Geschäftsführer Marc Friedrich erläutert. «Zum einen hat der Bund den Grundsatz, dass Glücksspiele nur in kontrolliertem Rahmen durchgeführt werden dürfen – Poker ist für uns eindeutig ein solches Glücksspiel.» Des Weiteren könne bei privaten Pokerturnieren keine angemessene Kontrolle garantiert werden, zum Beispiel bezüglich problematischen Spielern und der Rechtmässigkeit des Spielbetriebs. «Die ESBK gibt die Verantwortung der Kontolle ab. Die Kantone sind vom Entscheid total überrumpelt, haben sie doch noch keine konkteten Regelungen», so Friedrich. Dass sich die Schweizer Casinos vor der Konkurrenz durch private Pokeranbieter fürchten und die Beschwerde aus Eigeninteresse lancierten, streitet er vehement ab.

60 bewilligte Turniere

Die zahlreichen Entscheide der ESBK – gut 60 Turniere hat die Kommission bisher bewilligt – zeigen, nach welchen Kriterien die zur Prüfung eingereichten Turniere beurteilt werden. In den positiven Entscheiden argumentiert die Spielbankenkommission, dass in den Poker-Setzrunden ein hohes Mass an Wissen und Geschicklichkeit vom Spieler verlangt wird – er müsse geschickt taktieren, mathematische Wahrschienlichkeiten ausrechnen und die Fähigkeit besitzen, sich über mehrere Stunden konzentrieren zu können. Eine Auswahl an Anforderungen an den Spieler, so ist die ESBK überzeugt, ohne die ein Geldgewinn an einem bestimmten Pokerturnier höchst unwahrscheinlich ist. Zwar gebe es beim Pokerspiel auch Komponenten, die vom Glück anhängen – die Zuteilung der Karten etwa – doch überwiege bei den von der ESBK bewilligten Spielen die Geschicklichkeit.

Plauschturniere im Mikrokosmos

Dass gewisse private Prokeranbieter ein Interesse an der neuen Verordnung haben, leuchtet ein. Nicht alle aber sind bestrebt, Pokerrunden mit Geldeinsatz anzubieten. Im Mikrokosmos Jungfrau hat sich noch kein Veranstalter um eine Konzession beworben. Wilhelm Steiner vom Park-Hotel Goldswil zum Beispiel legt den Fokus auf Plauschturniere. «Bei uns gibt es zwar Geld oder Naturalpreise zu gewinnen, ein Startgeld beziehungsweise einen Starteinsatz müssen die Teilnehmer unserer Turniere nicht bezahlen.» Sobald es beim Spielen um Geldeinsätze gehe, erläutert Steiner, seien die Turniere nicht mehr gemütlich. «Ich habe einmal ein professionelles Pokerturnier besucht, da wird an den Tischen kaum gesprochen und die Atmosphäre ist sehr ernsthaft», erläutert er. Deshalb hat er auch nicht im Sinn, eine Lizenz zu beantragen, um seine Veranstaltungen auch mit Geldeinsatz durchzuführen. Denn auch ohne den finanziellen Anreiz sind seine Turniere im kleinen Rahmen jeweils sehr gut besucht.

quelle: Jungfrau Zeitung

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